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Betriebsanleitung mit KI erstellen: Möglichkeiten, Grenzen und rechtliche Herausforderungen

Kann KI Betriebsanleitungen erstellen? Dieser Leitfaden analysiert Möglichkeiten, rechtliche Grenzen und zeigt, wie Sie KI-Tools sinnvoll in die technische Dokumentation integrieren.

Inhaltsverzeichnis

KI in der technischen Dokumentation – Hoffnung oder Hype?

Künstliche Intelligenz hat in den vergangenen Jahren eine beispiellose Entwicklung durchlaufen. Systeme wie ChatGPT, Claude oder spezialisierte KI-Tools versprechen, komplexe Texte zu generieren, Inhalte zu übersetzen und technische Aufgaben zu automatisieren. In vielen Branchen werden diese Technologien bereits produktiv eingesetzt – von der Softwareentwicklung über das Marketing bis hin zur Kundenkommunikation.

Auch Hersteller von Maschinen, Anlagen und weiteren Produkten stehen vor der Frage: Kann KI Betriebsanleitungen erstellen – schneller, günstiger und vielleicht sogar besser als erfahrene technische Redakteure?

Die Verlockung ist groß: Zeitdruck bei Produkteinführungen, Fachkräftemangel in der technischen Redaktion und steigende Komplexität der Dokumentationspflichten lassen KI als attraktive Lösung erscheinen. Gleichzeitig sind die rechtlichen Anforderungen an Betriebsanleitungen hoch – sie sind integraler Bestandteil der CE-Konformität, müssen produktspezifische Risikobeurteilungen abbilden und unterliegen strengen normativen Vorgaben wie der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG bzw. ab 2027 der Maschinenverordnung 2023/1230 und der DIN EN IEC/IEEE 82079-1.

Dieser Artikel beleuchtet objektiv, was KI-Tools heute tatsächlich leisten können, wo ihre technischen und rechtlichen Grenzen liegen und wie Unternehmen KI sinnvoll als Werkzeug – nicht als Ersatz – in die Erstellung von Betriebsanleitungen integrieren können.

Hinweis: Für die Erstellung von Risikobeurteilungen und CE-Dokumentation mit KI lesen Sie unseren weiterführenden Artikel: CE-Kennzeichnung und Risikobeurteilung mit KI: Chancen, Risiken und rechtliche Grenzen (neuer Artikel)

KI-gestützte Systeme haben in den letzten Jahren beeindruckende Fortschritte gemacht. Ihre Fähigkeiten in der Textgenerierung, Datenverarbeitung und Mustererkennung eröffnen auch für die technische Dokumentation neue Möglichkeiten. Die folgenden Bereiche zeigen, wo KI bereits heute unterstützen kann:

Textgenerierung und Formulierungshilfen

KI-Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude können kohärente, grammatikalisch korrekte Texte erstellen. Sie eignen sich gut für:

  • Standardisierte Textbausteine: Wiederkehrende Abschnitte wie Sicherheitshinweise, allgemeine Warnungen oder Beschreibungen von Standardfunktionen
  • Umformulierungen: Verbesserung der Verständlichkeit oder Anpassung an unterschiedliche Zielgruppen
  • Strukturvorschläge: Gliederung von Kapiteln nach gängigen Mustern

Wichtig: Die Texte sind generisch und müssen immer produktspezifisch angepasst und fachlich geprüft werden.

Übersetzungsunterstützung

KI-basierte Übersetzungstools (z. B. DeepL, moderne neuronale Übersetzungssysteme) bieten:

  • Schnelle Rohübersetzungen technischer Texte
  • Konsistente Terminologie durch trainierte Fachwörterbücher
  • Zeitersparnis bei mehrsprachigen Dokumentationen

Grenzen: Fachterminologie, normspezifische Formulierungen und sicherheitsrelevante Texte erfordern immer eine fachliche Nachbearbeitung durch muttersprachliche technische Redakteure.

Recherche und Informationsgewinnung (eingeschränkt)

KI kann bei der Informationsbeschaffung unterstützen:

  • Zusammenfassung von öffentlich verfügbaren Richtlinien und Leitfäden
  • Identifizierung relevanter Themen für bestimmte Maschinentypen
  • Generierung von Checklisten

Wichtig: KI-Systeme haben keinen Zugriff auf kostenpflichtige harmonisierte Normen oder proprietäre Konstruktionsdaten. Ihre Vorschläge basieren auf allgemeinen Mustern, nicht auf produktspezifischen Fakten.

Strukturierungsvorschläge

KI kann Dokumentationsstrukturen vorschlagen, etwa:

  • Kapitelgliederungen nach DIN EN IEC/IEEE 82079-1
  • Aufbau nach Maschinenphasen (Transport, Installation, Betrieb, Wartung, Außerbetriebnahme)
  • Checklisten für Vollständigkeitsprüfungen

Bildanalyse und Bildbeschreibungen

Moderne KI-Systeme können:

  • Bildinhalte erkennen und beschreiben
  • Alt-Texte für barrierefreie Dokumentationen generieren
  • Einfache technische Zeichnungen interpretieren

Grenzen: Komplexe Maschinenbauzeichnungen, Schaltpläne oder sicherheitsrelevante Details erfordern menschliche Expertise.

Konsistenzprüfung von Terminologie

KI kann helfen:

  • Begriffskonsistenz über Dokumente hinweg zu prüfen
  • Synonyme zu identifizieren und zu vereinheitlichen
  • Stilistische Einheitlichkeit zu gewährleisten

Qualitätssicherung

KI-Tools können unterstützen bei:

  • Rechtschreibprüfung und Grammatikkorrektur
  • Lesbarkeitsanalysen (z. B. Satzlänge, Fachbegriffsdichte)
  • Strukturprüfungen (fehlende Kapitel, inkonsistente Nummerierung)

Konkrete Beispiele aktueller Tools

Tool
Einsatzbereich
Stärken
Grenzen
ChatGPT / Claude / Gemini
Textgenerierung, Formulierungshilfe
Schnelle Texterstellung, gute Sprachqualität
Keine produktspezifischen Kenntnisse, Halluzinationen
Copilot for Microsoft 365
Integration in Word, Excel
Vertraut für Office-Nutzer
Generisch, nicht auf techn. Doku spezialisiert
DeepL / Google Translate / Microsoft Translator
Übersetzung
Hochwertige Rohübersetzungen, viele Sprachen
Fachterminologie muss nachgearbeitet werden
Grammarly / LanguageTool
Stilprüfung, Grammatik
Automatisierte Qualitätskontrolle
Begrenzt auf Sprache, nicht auf Fachinhalt
Acrolinx
Terminologie, Stil, Corporate Language
Konsistenzprüfung, Regelwerke
Erfordert Konfiguration und Regelwerk-Pflege
SCHEMA ST4 mit KI-Modulen
Redaktionssystem mit KI-Integration
Terminologieverwaltung, Konsistenzprüfung, Textvorschläge im Redaktionssystem
Erfordert Systemeinführung und Training; nur in Kombination mit SCHEMA nutzbar

Fazit: KI kann bestimmte Teilaufgaben in der technischen Dokumentation übernehmen und beschleunigen. Eine vollständige, rechtskonforme Betriebsanleitung kann sie jedoch nicht eigenständig erstellen.

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Rechtliche Anforderungen an Betriebsanleitungen

Betriebsanleitungen sind kein Marketing-Dokument, sondern ein rechtlich verpflichtender Bestandteil der Produktdokumentation. Sie sind Voraussetzung für die CE-Kennzeichnung und unterliegen strengen gesetzlichen Vorgaben.

Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und Maschinenverordnung 2023/1230

Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (bis 19.01.2027) bzw. die Maschinenverordnung 2023/1230 (ab 20.01.2027) legen fest:

  • Betriebsanleitungen müssen Originalbetriebsanleitungen in einer EU-Amtssprache sein
  • Sie müssen die Maschine während ihrer gesamten Lebensdauer begleiten
  • Sie müssen alle sicherheitsrelevanten Informationen enthalten
  • Sie sind Bestandteil der technischen Dokumentation zur CE-Konformität

Mehr erfahren: Neue Maschinenverordnung 2023/1230

DIN EN IEC/IEEE 82079-1

Diese harmonisierte Norm definiert:
  • Inhaltliche Anforderungen an Nutzerinformationen
  • Zielgruppenanalyse und bestimmungsgemäße Verwendung
  • Strukturierung und Verständlichkeit
  • Vollständigkeit aller notwendigen Informationen
CE-Kennzeichnung und Konformitätsbewertung Die Betriebsanleitung ist integraler Bestandteil des CE-Konformitätsbewertungsverfahrens:
  • Sie muss die Risikobeurteilung widerspiegeln
  • Sie dokumentiert Restrisiken und notwendige Schutzmaßnahmen
  • Sie ist Grundlage für die EU-Konformitätserklärung
Mehr erfahren: CE-Kennzeichnung: Pflicht oder Chance? Hinweis: Für die Erstellung von Risikobeurteilungen mit KI-Unterstützung sowie spezifische rechtliche Anforderungen an die CE-Dokumentation lesen Sie unseren Artikel: CE-Kennzeichnung und Risikobeurteilung mit KI: Chancen, Risiken und rechtliche Grenzen (neuer Artikel)

Herstellerverantwortung und Produkthaftung

Der Hersteller trägt die volle Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Betriebsanleitung:

  • Bei Unfällen können fehlerhafte Anleitungen zur Haftung führen
  • Das Produkthaftungsgesetz sieht strenge Anforderungen vor
  • Die Dokumentationspflicht kann nicht an KI delegiert werden

Wichtiger Hinweis: Eine von KI erstellte, ungeprüfte Betriebsanleitung erfüllt diese Anforderungen nicht und kann zu erheblichen rechtlichen Konsequenzen führen.

Mehr erfahren: Betriebsanleitung erstellen: Leitfaden

Wo KI an ihre Grenzen stößt

So beeindruckend KI-Systeme in vielen Bereichen sind – bei der Erstellung vollständiger, rechtskonformer Betriebsanleitungen stoßen sie an fundamentale Grenzen. Diese resultieren aus der Art und Weise, wie KI funktioniert, und aus den spezifischen Anforderungen der technischen Dokumentation.

Maschinenspezifisches Fachwissen: KI kennt die konkrete Maschine nicht

Das Problem: KI-Modelle sind auf Basis allgemeiner Textdaten trainiert. Sie haben keinen Zugriff auf:

  • Konstruktionszeichnungen Ihrer spezifischen Maschine
  • CAD-Daten oder Stücklisten
  • Technische Spezifikationen Ihrer Produktvarianten
  • Werkseinstellungen, Parameter oder Konfigurationen

Beispiel aus der Praxis: Eine KI kann beschreiben, wie man „eine CNC-Fräsmaschine bedient“ – aber sie kennt nicht die spezifischen Bedienelemente, Sicherheitseinrichtungen oder Besonderheiten Ihres Modells XYZ-3000.

Konsequenz: Alle maschinenspezifischen Details müssen manuell ergänzt werden – was den Großteil einer Betriebsanleitung ausmacht.

Risikobeurteilung: KI kann keine produktspezifische Gefährdungsanalyse durchführen

Die Risikobeurteilung nach EN ISO 12100 ist das Herzstück der Maschinensicherheit. Sie erfordert:

  • Systematische Identifizierung aller Gefährdungen an der konkreten Maschine
  • Bewertung der Risiken unter Berücksichtigung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß
  • Definition spezifischer Schutzmaßnahmen nach dem 3-Stufen-Prinzip
  • Dokumentation der Restrisiken in der Betriebsanleitung

Was KI nicht kann:

  • Physische Inspektion der Maschine
  • Bewertung tatsächlicher Gefahrenstellen
  • Berücksichtigung der konkreten Einsatzumgebung
  • Abwägung zwischen konstruktiven, technischen und hinweisenden Schutzmaßnahmen

Mehr erfahren: Risikobeurteilung für Maschinen und Anlagen

Vertiefung: Die spezifischen Herausforderungen bei der Erstellung von Risikobeurteilungen mit KI-Unterstützung behandeln wir ausführlich in: CE-Kennzeichnung und Risikobeurteilung mit KI: Chancen, Risiken und rechtliche Grenzen (neuer Artikel)

Normkenntnis: Harmonisierte Normen sind nicht vollständig in KI-Modellen abgebildet

Das Problem bei Normen für Betriebsanleitungen: Besonders relevant für die Erstellung von Betriebsanleitungen sind:
  • DIN EN IEC/IEEE 82079-1 (Erstellen von Gebrauchsanleitungen)
  • IEC 20607 (Betriebsanleitungen für Maschinen)
  • Produktspezifische Normen für bestimmte Maschinentypen oder Produkte
Diese Normen sind:
  • Kostenpflichtig und nicht frei verfügbar
  • Nicht in den Trainingsdaten von KI-Systemen enthalten
  • Regelmäßig aktualisiert – KI-Modelle haben einen festen Wissensstichtag
Beispiel: ChatGPT (Stand Januar 2025) kennt allgemeine Prinzipien der 82079-1, aber nicht die spezifischen Detailanforderungen der aktuellen Fassung. Wichtige Differenzierung: Während Richtlinientexte (wie die Maschinenverordnung 2023/1230) öffentlich verfügbar sind und theoretisch von KI erfasst werden können, gilt dies nicht für kostenpflichtige Normen. KI kann daher:
  • ✅ Allgemeine rechtliche Anforderungen aus Verordnungen kennen
  • ❌ Spezifische normative Anforderungen aus harmonisierten Normen nicht detailliert umsetzen
Konsequenz: KI kann generische Anforderungen beschreiben, aber keine normkonforme Umsetzung für Ihre spezifische Maschine sicherstellen.

Zielgruppenanalyse: KI versteht den Kontext der Anwender nicht ausreichend

Eine normgerechte Betriebsanleitung muss zielgruppengerecht formuliert sein:

  • Welche Qualifikation haben die Bediener?
  • In welcher Umgebung wird die Maschine eingesetzt?
  • Welche Vorkenntnisse können vorausgesetzt werden?
  • Welche kulturellen oder sprachlichen Besonderheiten sind zu beachten?

Was KI nicht kann:

  • Die tatsächliche Nutzungssituation vor Ort kennen
  • Unterscheiden zwischen Fachpersonal und angelernten Kräften
  • Einschätzen, welche Informationen kritisch sind und welche weggelassen werden können

Technische Grenzen von KI-Systemen

Token-Limits und Kontextfenster:

  • KI-Modelle haben begrenzte Kontextfenster (z. B. 8.000-128.000 Token)
  • Umfangreiche Betriebsanleitungen (oft 100+ Seiten) passen nicht in einem Durchgang
  • Konsistenz über lange Dokumente ist schwer zu gewährleisten

Fehlende Multimodalität:

  • Schwierigkeiten beim Verständnis technischer Zeichnungen
  • Keine Verarbeitung von CAD-Daten oder 3D-Modellen
  • Begrenzte Fähigkeit zur Interpretation von Schaltplänen

Determinismus und Reproduzierbarkeit:

  • KI-Outputs sind nicht deterministisch – gleiche Eingabe kann unterschiedliche Ergebnisse liefern
  • Versionskontrolle wird erschwert
  • Schwierig für Nachvollziehbarkeit in Audits

Aktualität:

  • KI-Modelle haben einen festen Wissensstichtag (z. B. Januar 2025)
  • Neuere Normen, Richtlinien oder Technologien sind nicht bekannt
  • Continuous Learning bei öffentlichen KI-Diensten ist begrenzt

Datenschutz und Datensicherheit

DSGVO-Compliance:

Bei der Nutzung von KI-Tools zur Erstellung von Betriebsanleitungen entstehen erhebliche datenschutzrechtliche Risiken:

  • Übertragung sensibler Daten: Konstruktionsdaten, technische Spezifikationen, Kundendaten
  • Verarbeitung außerhalb der EU: Viele KI-Dienste (OpenAI, Google) haben Server in den USA
  • Fehlende Löschgarantien: Einmal übermittelte Daten können oft nicht vollständig gelöscht werden
  • Training mit Ihren Daten: Bei vielen Diensten werden Eingaben für Training genutzt (sofern nicht explizit ausgeschlossen)

Geschäftsgeheimnisse und Know-how-Schutz:

  • Produktspezifische Informationen sind Betriebsgeheimnisse
  • Konstruktionsdetails dürfen nicht an Dritte gelangen
  • Wettbewerbsrelevante Daten müssen geschützt bleiben

Praktische Probleme:

Risiko
Beispiel
Auswirkung
Unbeabsichtigte Offenlegung
Technische Details werden an ChatGPT übermittelt
Verlust des Geschäftsgeheimnisses
Datenverarbeitung außerhalb EU
Nutzung von Cloud-KI-Diensten
DSGVO-Verstoß möglich
Keine Kontrolle über Training
KI lernt aus Ihren Eingaben
Wettbewerber könnten ähnliche Outputs erhalten
Fehlende Auftragsverarbeitung
Kein AVV mit KI-Anbieter
Rechtliche Unsicherheit

Lösungsansätze:

  • On-Premise-KI-Lösungen: Lokale Installation von KI-Modellen (z. B. LLaMA, Mistral)
  • Gekapselte Unternehmens-KI: z. B. Microsoft Azure OpenAI Service mit Datenhoheit
  • Anonymisierung: Entfernung aller produktspezifischen Details vor KI-Nutzung (nur begrenzt möglich)
  • Klare Datenschutzrichtlinien: Regelung, welche Daten an KI-Systeme übermittelt werden dürfen

Wichtig: Auch bei gekauften KI-Lösungen (z. B. Acrolinx, SCHEMA AI Assist) müssen Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) geprüft werden. Die Speicherung und Verarbeitung sensibler Unternehmensdaten unterliegt der DSGVO.

Rechtliche Verantwortung: KI kann keine Haftung übernehmen

Kernproblem: Der Hersteller trägt die volle rechtliche Verantwortung für die Betriebsanleitung. Bei einem Unfall mit Personenschaden wird geprüft:

  • War die Anleitung vollständig und korrekt?
  • Wurden alle Gefährdungen angemessen beschrieben?
  • Waren die Sicherheitshinweise ausreichend und verständlich?

Rechtslage: Die Verantwortung kann nicht an ein KI-System delegiert werden. Der Hersteller haftet für fehlerhafte Inhalte – auch wenn diese von einer KI generiert wurden.

Vollständigkeit und Korrektheit: Halluzinationen und sachliche Fehler

Ein bekanntes Problem von KI-Sprachmodellen sind Halluzinationen – das System erfindet plausibel klingende, aber falsche Informationen:

  • Erfundene Normen oder Vorschriften
  • Falsche technische Spezifikationen
  • Nicht existierende Sicherheitseinrichtungen

Beispiel aus der Praxis: Eine KI könnte schreiben: „Die Maschine ist gemäß EN 12345-67 geprüft“ – eine Norm, die es nicht gibt. Für Laien klingt das plausibel, für eine CE-konforme Dokumentation ist es fatal.

Produktvarianten: KI kann variantenspezifische Details nicht eigenständig erfassen

Moderne Maschinen gibt es oft in zahlreichen Varianten:

  • Unterschiedliche Ausstattungspakete
  • Länderspezifische Ausführungen
  • Optionale Zusatzmodule

Was KI nicht leisten kann:

  • Automatische Erstellung variantenspezifischer Anleitungen
  • Berücksichtigung von Produktkonfigurationen

Pflege von Varianten-Matrizen

Praktische Beispiele fehlerhafter KI-Outputs

Beispiel 1: Unvollständige Sicherheitshinweise

  • KI-Text: „Tragen Sie bei der Arbeit Schutzhandschuhe.“
  • Problem: Welche Art von Handschuhen? Welche Norm? Gegen welche Gefährdung?
  • Korrekt: „Tragen Sie Schutzhandschuhe der Kategorie II gegen mechanische Risiken gemäß EN 388 (Mindestanforderung: 2121X).“

Beispiel 2: Falsche Wartungsintervalle

  • KI-Text: „Führen Sie die Wartung alle 500 Betriebsstunden durch.“
  • Problem: Basiert auf einer allgemeinen Annahme, nicht auf den Herstellerangaben der verwendeten Komponenten
  • Folge: Möglicher Ausfall sicherheitsrelevanter Bauteile

Beispiel 3: Generische Gefahrenhinweise

  • KI-Text: „Vorsicht vor beweglichen Teilen.“
  • Problem: Keine konkrete Beschreibung der tatsächlichen Gefahrenstellen

Erforderlich: Spezifische Benennung aller Quetsch-, Scher- und Einzugsstellen mit Verweis auf Schutzeinrichtungen

Hybride Ansätze: KI als Werkzeug, nicht als Ersatz

Die Lösung liegt nicht in der vollständigen Ablehnung von KI, sondern in ihrer intelligenten Integration in den Dokumentationsprozess. KI sollte als Werkzeug verstanden werden, das menschliche Expertise ergänzt – nicht ersetzt.

KI für Routineaufgaben (Formulierung, Formatierung)

Sinnvolle Einsatzbereiche:

  • Standardtextbausteine generieren (z. B. allgemeine Sicherheitshinweise)
  • Formatierung vereinheitlichen (Überschriften, Listen, Tabellen)
  • Rechtschreibprüfung und Stilkorrekturen
  • Glossare und Terminologiedatenbanken pflegen

Beispiel-Workflow:

  1. KI generiert einen Entwurf für Standardkapitel (z. B. „Transport und Lagerung“)
  2. Technischer Redakteur ergänzt maschinenspezifische Details
  3. Fachexperte prüft technische Korrektheit
  4. Finale Freigabe durch CE-Koordinator

Menschliche Expertise für fachliche Inhalte

Was immer menschliche Expertise erfordert:

  • Risikobeurteilung und Ableitung von Schutzmaßnahmen
  • Produktspezifische Beschreibungen von Bauteilen und Funktionen
  • Wartungsanweisungen basierend auf Herstellervorgaben
  • Fehlerbehebung und Troubleshooting-Tabellen
  • Zielgruppengerechte Aufbereitung der Inhalte

Review-Prozesse und Qualitätssicherung

Mehrstufiger Prüfprozess bei KI-unterstützter Dokumentation:

  1. Technische Prüfung: Sind alle Angaben korrekt und vollständig?
  2. Normprüfung: Werden alle relevanten Normen eingehalten?
  3. Sicherheitsprüfung: Sind alle Gefährdungen adressiert?
  4. Sprachprüfung: Ist der Text verständlich und zielgruppengerecht?
  5. Rechtliche Prüfung: Erfüllt die Anleitung alle gesetzlichen Anforderungen?

Wichtig: Der Review-Aufwand bei KI-generierten Texten darf nicht unterschätzt werden. Fehlerhafte oder unvollständige KI-Outputs können mehr Zeit kosten als eine Neuerstellung.

Workflow-Beispiel: Wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann

Szenario: Erstellung einer Betriebsanleitung für eine Industriepresse

Phase
Ohne KI
Mit KI-Unterstützung
Zeitersparnis
1. Strukturierung
Manuelle Gliederung
KI schlägt Struktur nach DIN EN IEC/IEEE 82079-1 vor
20%
2. Standardtexte
Manuelles Schreiben
KI generiert Entwürfe für Transport, Lagerung, Entsorgung
40%
3. Sicherheitshinweise
Komplett manuell (basierend auf Risikobeurteilung)
KI strukturiert nach SAFE-Prinzip oder extrahiert Infos aus Risikobeurteilung
20%
4. Produktbeschreibung
Komplett manuell (maschinenspezifisch)
Manuell mit KI-gestützter Formulierungshilfe
10%
5. Bedienanleitung
Komplett manuell
Manuell mit KI-gestützter Strukturierung
15%
6. Wartung
Komplett manuell (Herstellervorgaben)
KI erstellt Grundgerüst aus bereitgestelltem Wartungsplan
10%
7. Übersetzung
Externe Übersetzer
KI-Rohübersetzung + fachliche Nachbearbeitung
30%
8. Review
Standard-Review
Erweiterter Review wegen KI-Inhalten
-20%
Gesamt
100 Stunden
ca. 85 Stunden
15%

Ergänzende Hinweise zum Workflow:

Sicherheitshinweise (20% Zeitersparnis):

KI kann hier tatsächlich unterstützen, wenn:

  • Eine Risikobeurteilung als strukturiertes Dokument vorliegt
  • KI die Sicherheitsinformationen extrahiert und aufbereitet
  • KI die Hinweise nach dem SAFE-Prinzip strukturiert (Signal word, Accident, Full description, Escape)
  • Ein Fachexperte die Vollständigkeit und Korrektheit prüft

Wartung (10% Zeitersparnis):

KI kann ein Grundgerüst erstellen, wenn:

  • Ein Wartungsplan als Input bereitgestellt wird (z. B. Excel-Tabelle)
  • KI daraus eine strukturierte Wartungsanleitung generiert
  • Ein Fachexperte maschinenspezifische Details ergänzt
  • Die Wartungsintervalle von Komponentenherstellern geprüft werden

Praxistipp: Dokumentieren Sie in Ihrem Qualitätsmanagement genau, welche Teile der Dokumentation KI-unterstützt erstellt wurden und wie der Review-Prozess ablief. Dies ist wichtig für die Nachweisführung bei Behördenprüfungen.

Fazit: KI kann bei bestimmten Teilaufgaben Zeit sparen, erhöht aber den Prüfaufwand. Die Gesamtersparnis liegt im realistischen Rahmen bei 10-20%, nicht bei den oft versprochenen 50-80%.

Haftungsrechtliche Risiken bei KI-generierten Anleitungen

Die Nutzung von KI in der technischen Dokumentation birgt spezifische rechtliche Risiken, die Hersteller kennen und beherrschen müssen.

Produkthaftungsgesetz und fehlerhafte Dokumentation

Nach dem Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) haftet der Hersteller für Schäden, die durch fehlerhafte Produkte entstehen. Dabei gilt:

  • Eine fehlerhafte Anleitung macht das gesamte Produkt fehlerhaft
  • Der Hersteller haftet verschuldensunabhängig
  • Auch fehlende Warnhinweise gelten als Produktfehler

Relevante Rechtsprechung: Gerichte haben wiederholt entschieden, dass unzureichende Betriebsanleitungen die Haftung des Herstellers begründen – selbst wenn die Maschine technisch einwandfrei ist.

Folgen bei Arbeitsunfällen

Im Falle eines Arbeitsunfalls mit Personenschaden wird geprüft:

  • War die Betriebsanleitung vollständig und verständlich?
  • Wurden alle relevanten Gefährdungen beschrieben?
  • Waren die Sicherheitsanweisungen angemessen?

Wenn KI-generierte Inhalte dazu führen, dass:

  • Sicherheitshinweise unvollständig sind
  • Falsche technische Angaben gemacht wurden
  • Wichtige Informationen fehlen

… dann haftet der Hersteller vollumfänglich.

Verantwortung kann nicht an KI delegiert werden

Klare Rechtslage:

  • Der Hersteller trägt die alleinige Verantwortung für die Dokumentation
  • Die Nutzung von KI-Tools ist kein Haftungsausschluss
  • Die Aussage „Das hat die KI geschrieben“ ist rechtlich irrelevant

Analog: Wenn Sie einen externen Dienstleister beauftragen, bleiben Sie verantwortlich. Bei KI-Tools gilt das gleiche Prinzip – nur dass die KI keine Haftung übernehmen kann.

Dokumentationspflichten des Herstellers

Im Rahmen der CE-Konformität muss der Hersteller dokumentieren:

  • Welche Quellen für die Erstellung der Betriebsanleitung genutzt wurden
  • Wie die fachliche Richtigkeit sichergestellt wurde
  • Welche Review-Prozesse durchlaufen wurden

Bei KI-Nutzung zusätzlich empfohlen:

  • Dokumentation, welche Abschnitte KI-unterstützt erstellt wurden
  • Nachweis der fachlichen Überprüfung dieser Abschnitte
  • Freigabeprozess mit namentlicher Verantwortung

Wichtiger Hinweis: Behörden und Gerichte werden bei Unfällen oder Verdachtsfällen prüfen, ob die Dokumentation sorgfältig erstellt wurde. Der Verweis auf KI-Tools könnte als mangelnde Sorgfalt ausgelegt werden, wenn keine nachweisbare Qualitätssicherung erfolgte.

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Zukunftsperspektive: Wohin entwickelt sich KI in der technischen Dokumentation?

Die Entwicklung von KI-Systemen schreitet rasant voran. Welche Potenziale und Grenzen zeichnen sich für die technische Dokumentation ab?

Entwicklung spezialisierter KI-Tools für technische Dokumentation

Aktuelle Entwicklungen:

  • Branchenspezifische KI-Modelle: Trainiert auf technischer Dokumentation und Normen
  • Integration in Redaktionssysteme: KI-Module in Tools wie SCHEMA ST4, Docufy oder bloXedia
  • Spezialisierte Assistenten: KI-Tools, die spezifisch für bestimmte Dokumentationsarten entwickelt werden

Beispiele:

  • Terminologie-Assistenten: Automatische Vorschläge für konsistente Begriffswahl
  • Übersetzungsmodule: Spezialisiert auf technische Fachsprache
  • Strukturierungs-Helfer: Vorschläge für normkonforme Gliederungen

Grenzen bleiben: Auch spezialisierte KI kann keine maschinenspezifische Risikobeurteilung durchführen oder produktspezifische technische Details erfassen.

Potenziale bei Standardisierung und Modulbauweise

KI profitiert von Standardisierung:

  • Modulare Dokumentation: Wiederverwendbare Textbausteine können effizienter von KI verwaltet werden
  • Variantenmanagement: KI kann bei strukturierter Datenbasis verschiedene Produktvarianten kombinieren
  • Content-Wiederverwendung: Intelligente Vorschläge für bereits vorhandene Inhalte

Voraussetzung: Hochstrukturierte Datenbasis und klare Metadaten. Dies erfordert Investitionen in Redaktionssysteme und Prozesse.

Grenzen bleiben bestehen bei produktspezifischer Anpassung

Was auch zukünftig menschliche Expertise erfordert:

  • Individuelle Risikobeurteilungen: Jede Maschine hat spezifische Gefährdungen
  • Kundenspezifische Anpassungen: Sonderkonfigurationen, Umbauten, individuelle Anforderungen
  • Normauslegung: Interpretation und Anwendung harmonisierter Normen auf konkrete Produkte
  • Verantwortungsübernahme: Rechtliche und fachliche Haftung

Realistisches Zukunftsszenario (5-10 Jahre):

  • KI übernimmt 30-40% der Routineaufgaben in der technischen Dokumentation
  • 60-70% erfordern weiterhin menschliche Fachexpertise
  • Die Rolle technischer Redakteure wandelt sich vom reinen Schreiben zum Kuratieren, Prüfen und Verantworten

KI und die neue Maschinenverordnung

Die Maschinenverordnung 2023/1230 erwähnt KI explizit:

  • Risikobeurteilung muss KI-Systeme berücksichtigen, wenn diese in der Maschine eingesetzt werden
  • Dokumentationspflichten gelten auch für Maschinen mit KI-Komponenten
  • Produktbeobachtung muss mögliche KI-bedingte Risiken einbeziehen

Paradox: KI wird reguliert, soll aber Dokumentation über regulierte Produkte erstellen. Dies zeigt die Notwendigkeit menschlicher Kontrolle und Verantwortung.

Weiterführend: Wie sich KI auf die Risikobeurteilung und CE-Konformitätsbewertung auswirkt, erfahren Sie in unserem Artikel: CE-Kennzeichnung und Risikobeurteilung mit KI: Chancen, Risiken und rechtliche Grenzen (neuer Artikel)

Fazit: KI kann unterstützen, aber nicht eigenständig erstellen

Nach der objektiven Analyse der technischen Möglichkeiten, rechtlichen Anforderungen und praktischen Grenzen lässt sich ein klares Fazit ziehen:

Kernaussagen

  1. KI bietet wertvolle Unterstützung – aber keine Komplettlösung
KI-Tools können bei bestimmten Teilaufgaben der technischen Dokumentation Zeit und Aufwand sparen:
  • Standardtextbausteine generieren
  • Übersetzungen beschleunigen
  • Konsistenz prüfen
  • Strukturierungsvorschläge liefern
Aber: Sie können keine vollständigen, rechtskonformen Betriebsanleitungen eigenständig erstellen.
  1. Die rechtlichen Anforderungen sind unverändert hoch
  • Betriebsanleitungen sind rechtlich verpflichtend und Teil der CE-Konformität
  • Sie müssen produktspezifisch, normkonform und vollständig sein
  • Der Hersteller trägt die volle rechtliche Verantwortung
  • Diese Verantwortung kann nicht an KI delegiert werden
  1. Maschinenspezifisches Wissen bleibt unverzichtbar
KI kennt:
  • ❌ Ihre konkrete Maschine nicht
  • ❌ Ihre Risikobeurteilung nicht
  • ❌ Ihre produktspezifischen Gefährdungen nicht
  • ❌ Die tatsächlichen Einsatzbedingungen nicht
  • ❌ Ihre Konstruktionsdaten nicht
Deshalb: Die fachliche Expertise von technischen Redakteuren, Konstrukteuren und CE-Koordinatoren bleibt unverzichtbar.
  1. Hybride Ansätze sind der richtige Weg
Die Zukunft liegt nicht in „KI statt Mensch“, sondern in „KI als Werkzeug für den Menschen„:
  • KI für Routineaufgaben und Unterstützung
  • Menschliche Expertise für fachliche Inhalte
  • Strukturierte Review-Prozesse
  • Klare Verantwortlichkeiten
  1. Qualität vor Schnelligkeit
Die Verlockung ist groß, mit KI Zeit zu sparen. Aber:
  • Eine fehlerhafte Betriebsanleitung kann rechtliche und finanzielle Folgen haben
  • Die Haftungsrisiken überwiegen potenzielle Zeitersparnisse
  • Professionelle Dokumentation ist eine Investition in Sicherheit und Rechtskonformität

Empfehlung für die Praxis

Wenn Sie KI in der technischen Dokumentation einsetzen möchten:

  1. Nutzen Sie KI für klar definierte Teilaufgaben (Übersetzung, Standardtexte, Formatierung)
  2. Implementieren Sie strikte Review-Prozesse für alle KI-generierten Inhalte
  3. Dokumentieren Sie den Erstellungsprozess für die Nachweisführung
  4. Beachten Sie Datenschutz und nutzen Sie DSGVO-konforme Lösungen
  5. Behalten Sie die fachliche Kontrolle bei allen sicherheitsrelevanten Inhalten
  6. Investieren Sie in die Qualifikation Ihrer Mitarbeiter im Umgang mit KI-Tools

Wenn Sie rechtssicher und effizient vorgehen möchten:

  • Nutzen Sie die Expertise von Fachdienstleistern für technische Dokumentation
  • Lassen Sie sich bei der Implementierung von KI-gestützten Workflows beraten
  • Stellen Sie durch professionelle Review-Prozesse die Rechtskonformität sicher

Abschließende Bewertung

KI ist ein hilfreiches Werkzeug, das bestimmte Aspekte der technischen Dokumentation erleichtern und beschleunigen kann. Sie ist aber kein Ersatz für die fachliche Expertise, die rechtliche Verantwortung und das produktspezifische Wissen, die für die Erstellung vollständiger und rechtskonformer Betriebsanleitungen erforderlich sind.

Die Schlussfolgerung ergibt sich nicht aus einer grundsätzlichen Ablehnung von KI, sondern aus der objektiven Analyse der technischen und rechtlichen Realität: Betriebsanleitungen sind zu komplex, zu spezifisch und zu rechtlich bedeutsam, um sie einer KI zu überlassen.

Die Zukunft der technischen Dokumentation liegt in der intelligenten Zusammenarbeit von Mensch und Maschine – mit klaren Rollen, Verantwortlichkeiten und Qualitätssicherungsprozessen.

Sie möchten KI sinnvoll in Ihre CE-Prozesse integrieren – ohne rechtliche Risiken einzugehen?

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ChatGPT Betriebsanleitungen schreiben?
ChatGPT kann Textentwürfe für allgemeine Abschnitte einer Betriebsanleitung erstellen (z. B. Transport, Lagerung, allgemeine Sicherheitshinweise). Es kann jedoch keine vollständige, rechtskonforme Betriebsanleitung eigenständig erstellen, da es keinen Zugriff auf produktspezifische Daten, Risikobeurteilungen oder aktuelle harmonisierte Normen hat. Alle von ChatGPT generierten Inhalte müssen von Fachexperten überprüft und ergänzt werden.
Ist eine KI-generierte Betriebsanleitung rechtskonform?
Nein, eine ausschließlich von KI generierte Betriebsanleitung ist nicht rechtskonform. Sie erfüllt nicht die Anforderungen der Maschinenrichtlinie/Maschinenverordnung und der DIN EN IEC/IEEE 82079-1, da sie nicht die erforderlichen produktspezifischen Informationen, Risikobeurteilungen und normkonformen Details enthalten kann. KI kann nur Teilaufgaben unterstützen, die finale Verantwortung liegt beim Hersteller.
Welche KI eignet sich für technische Dokumentation?
Für technische Dokumentation eignen sich verschiedene KI-Tools für spezifische Aufgaben: ChatGPT/Claude für Formulierungshilfen und Strukturvorschläge, DeepL für Übersetzungen, Acrolinx für Konsistenz und Corporate Language, spezialisierte Redaktionssysteme (SCHEMA ST4, Docufy) mit integrierten KI-Modulen für Terminologie und Variantenmanagement. Wichtig ist: Kein Tool kann alle Aufgaben abdecken – eine Kombination mit menschlicher Expertise ist zwingend erforderlich.
Was sind die Vorteile von KI bei Betriebsanleitungen?
KI bietet folgende Vorteile bei der Erstellung von Betriebsanleitungen: Zeitersparnis bei Standardtexten und Übersetzungen (20-40%), verbesserte Konsistenz bei Terminologie, automatisierte Qualitätsprüfungen (Rechtschreibung, Stil), Strukturierungshilfen nach gängigen Normen, Unterstützung bei Sicherheitshinweisen (z. B. SAFE-Prinzip) und schnellere Rohübersetzungen. Diese Vorteile entfalten sich jedoch nur bei professionellem Review und fachlicher Nachbearbeitung.
Was sind die Risiken von KI-generierten Betriebsanleitungen?
Die Hauptrisiken sind: Halluzinationen (erfundene Informationen, die plausibel klingen), fehlende produktspezifische Details, unvollständige Sicherheitshinweise, falsche Normverweise, Datenschutzrisiken durch Übermittlung sensibler Daten, rechtliche Haftungsrisiken bei Unfällen, und Verletzung der Herstellerpflichten. Bei ungeprüfter Nutzung können KI-generierte Anleitungen zu Produkthaftungsfällen und Verlust der CE-Konformität führen.
Muss ich kennzeichnen, wenn ich KI für die Betriebsanleitung genutzt habe?
Es gibt aktuell keine gesetzliche Pflicht zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte in Betriebsanleitungen. Allerdings ist es im Rahmen des Qualitätsmanagements empfehlenswert, intern zu dokumentieren, welche Abschnitte KI-unterstützt erstellt wurden und wie der Review-Prozess ablief. Dies dient der Nachweisführung bei Behördenprüfungen oder im Haftungsfall. Die rechtliche Verantwortung verbleibt vollständig beim Hersteller.
Welche Teile der Betriebsanleitung kann KI übernehmen?
KI kann sinnvoll unterstützen bei: Standardabschnitten (Transport, Lagerung, Entsorgung), Gliederungsvorschlägen nach DIN EN IEC/IEEE 82079-1, Rohübersetzungen, Formatierung und Layout, Konsistenzprüfungen der Terminologie, Strukturierung von Sicherheitshinweisen nach SAFE-Prinzip (bei vorhandener Risikobeurteilung), und Grundgerüst für Wartungsanleitungen (bei vorhandenem Wartungsplan). Nicht geeignet ist KI für: eigenständige Risikobeurteilung, produktspezifische technische Details ohne Input.
Wie viel Zeit spart KI bei der Dokumentationserstellung?
Realistische Zeitersparnis bei optimaler KI-Nutzung liegt bei 10-20% der Gesamtzeit. Höhere Werte werden oft angegeben, berücksichtigen aber nicht den erhöhten Review-Aufwand. Die Ersparnis variiert je nach Dokumentationstyp: Übersetzungen können bis zu 30% schneller sein, Standardtexte 40%, Sicherheitshinweise mit KI-Strukturierung 20%, Wartungsanleitungen mit Wartungsplan-Input 10%. Der zusätzliche Prüfaufwand für KI-Inhalte (ca. -20%) muss einkalkuliert werden.
Können KI-Tools harmonisierte Normen berücksichtigen?
Nur sehr eingeschränkt. Kostenpflichtige harmonisierte Normen für Betriebsanleitungen (insbesondere DIN EN IEC/IEEE 82079-1, EN 20607 und produktspezifische C-Normen) sind nicht in den Trainingsdaten von KI-Systemen wie ChatGPT oder Claude enthalten, da sie urheberrechtlich geschützt sind. KI kann allgemeine Prinzipien kennen, aber keine normkonforme Umsetzung garantieren. Öffentlich verfügbare Richtlinientexte (z. B. Maschinenverordnung 2023/1230) können theoretisch bekannt sein. Fachliche Normrecherche bleibt unverzichtbar.
Wer haftet, wenn eine KI-generierte Anleitung fehlerhaft ist?
Der Hersteller haftet vollumfänglich für fehlerhafte Betriebsanleitungen – unabhängig davon, ob sie von KI, einem Dienstleister oder intern erstellt wurden. Die Nutzung von KI ist kein Haftungsausschluss. Nach dem Produkthaftungsgesetz und bei Arbeitsunfällen wird geprüft, ob der Hersteller seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen ist. Der Verweis auf KI-Tools kann als mangelnde Sorgfalt ausgelegt werden, wenn keine nachweisbare Qualitätssicherung erfolgte.
Was muss ich beim Datenschutz beachten, wenn ich KI-Tools nutze?
Bei der Nutzung von KI-Tools zur Erstellung von Betriebsanleitungen müssen DSGVO-Anforderungen beachtet werden: Keine Übermittlung sensibler Unternehmensdaten an öffentliche KI-Dienste (z. B. ChatGPT), Prüfung von Auftragsverarbeitungsverträgen bei gekauften KI-Lösungen, Bevorzugung von On-Premise- oder EU-gehosteten Lösungen, Anonymisierung produktspezifischer Details vor KI-Nutzung, und klare Datenschutzrichtlinien für Mitarbeiter. Geschäftsgeheimnisse und Konstruktionsdetails müssen besonders geschützt werden.

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Daniel Keil

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